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Antisemitismus & Antiamerikanismus in DDR und BRD (6.-8.11.2009)

Antisemitismus & Antiamerikanismus in DDR und BRD
6.-8.11.2009: Wochenendseminar für Multiplikator_innen
Politische Betrachtungen 20 Jahre nach dem Mauerfall

DDR und BRD gingen unterschiedliche Wege, bauen aber auf eine gemeinsame Geschichte auf. Zu dieser gehört auch die industriell organisierte Judenverfolgung bis 1945. Die Aufarbeitung dieser Verbrechen sah in beiden Staaten sehr unterschiedlich aus. So definierte sich etwa die DDR als antifaschistischer Staat und sah es dennoch nicht als seine Aufgabe, Opfer der NS-Diktatur zu entschädigen, weil sich die DDR nicht als NS-Nachfolgestaat betrachtete. Während Antisemitismus, wie im „Slansky-Prozess“ 1952 nur selten offen zu Tage trat, waren Antizionismus und Antiamerikanismus in der DDR Staatsräson. Spätestens seit dem Sechstagekrieg 1967 nahm die DDR eine offen antiisraelische Haltung ein. Denn der Zionismus galt als ein Stellvertreter des Imperialismus. Die politische Realität, wie die nachdrückliche Unterstützung der UN-Resolution vom November 1975, dass der Zionismus eine Form des Rassismus sei, oder etwa die im November 1988 erfolgte Anerkennung eines Staates Palästina, dokumentierten den antiisraelischen Kurs. „Der Antifaschismus wurde nationalistisch-patriotisch aufgeladen und diente hauptsächlich dazu, den vermeintlichen Faschismus in Westdeutschland oder in den Vereinigten Staaten von Amerika zu denunzieren. Die Veränderung steht andererseits im Kontext einer Entwicklung, die sich im gesamten Ostblock vollzog.“

Auch in Westdeutschland stellte sich Antizionismus als „ehrbarer Antisemitismus“ (Jean Améry) der Linken dar. Israel wurde als Fremdkörper im Nahen Osten und als „Brückenkopf des US-Imperialismus“ betrachtet. Linke Terrorist_innen aus der BRD ließen sich gemeinsam mit Neonazis in Trainingscamps der PLO ausbilden. Die Opfer der Shoa wurden zu Täter_innen deklariert. Der Fokus der politischen Auseinandersetzung verlagerte sich von einer Verurteilung des Nationalsozialismus dahin ,Amerika und Israel als Feindbilder aufzubauen.

Das Seminar setzt sich unter Berücksichtigung einer historischen Perspektive auf ost- und westdeutsche Geschichte mit den Wurzeln von Antisemitismus und Antiamerikanismus auseinander. Darauf aufbauend sollen aktuelle Beispiele für Antiamerikanismus in einer angeleiteten Internetrecherche ausfindig gemacht werden und die Auswirkungen des außerparlamentarischen Antizionismus und des Staats-Antiamerikanismus der DDR auf aktuelle gesellschaftliche Weltbilder und politische Strukturen diskutiert werden.

Die Debatten um den parteiübergreifenden Antrag zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der Reichspogromnacht in diesem Jahr (2008) zeigen, dass auch 20 Jahre nach der Wende der unterschiedliche Umgang mit Geschichte und Realpolitik in BRD und DDR wirkmächtig ist.

Dieses Seminar richtet sich vorwiegend an Multiplikator_innen der Jugendarbeit und zielt darauf ab, geschichtlich-politisches Wissen zu erweitern und für die praktisches gesellschaftliches Engagement nutzbar zu machen.

Referenten:
Sebastian Voigt, Magister Atrium, ist Doktorand und arbeitet zur Zeit über die politische Erfahrungsgeschichte jüdischer Intellektueller im Nachkriegsfrankreich. Er ist Autor des Buches „Die Dialektik von Einheit und Differenz. Über Ursprung und Geltung des Pluralismusprinzips in den Vereinigten Staaten von Amerika“.

Henning Wötzel-Herber, Master of Arts, ist Jugendbildungsreferent im ABC Bildungs- und Tagungszentrum und dort verantwortlich für politische Jugendbildung mit neuen Medien. Derzeit ist er unter anderem an der Durchführung des Projektes „Eine Welt ohne Antisemitismus! Vom Reden zum Handeln“ beteiligt.
17.-19.07.2009: Wochenendseminar für junge Multiplikator_innen
Antisemitismus & Antiamerikanismus in DDR und BRD

Benjamin-Christopher Krüger, ist Diplom-Sozialpädagoge und Bundessprecher des BAK Shalom. Er wird im Rahmen des Seminars ein Exkurs-Seminar über aktuelle Fälle von Antisemitismus und Antizionismus innerhalb der gesamtdeutschen Linken halten.

Termin: 6.–8.11.2009
Teilnahmebeitrag: 55 Euro, ermäßigt 35 Euro
inkl. Programm, Unterkunft, Vollverpflegung

die Veranstaltung findet u.a. in der päd. Verantwortung der VNB -Landeseinrichtung der Erwachsenenbildung statt.

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